Holzwurm oder Hausbock im Dachstuhl? Der Millimeter-Test
Messen Sie das Loch. Runde Ausfluglöcher von 1 bis 2 mm kommen vom Nagekäfer, umgangssprachlich Holzwurm. Ovale Löcher von 4 bis 7 mm kommen vom Hausbock, und der ist für das Tragwerk das größere Problem. Ein Zollstock am Balken beantwortet die wichtigste Frage in zehn Sekunden.
Wie unterscheide ich Holzwurm und Hausbock?
Am Loch und am Mehl. Der Nagekäfer hinterlässt kleine runde Löcher und feines, rieselndes Bohrmehl. Der Hausbock hinterlässt größere, ovale Löcher und gröberes Mehl mit walzenförmigen Kotteilchen darin.
| Merkmal | Nagekäfer (Holzwurm) | Hausbock |
|---|---|---|
| Ausflugloch | rund, 1–2 mm | oval, 4–7 mm |
| Bohrmehl | fein, staubartig | gröber, mit festen Teilchen |
| Bevorzugtes Holz | Splint- und Kernholz, auch Laubholz, gern feucht | Splintholz von Nadelholz, gern trocken und warm |
| Typischer Ort im Haus | Keller, Möbel, feuchte Ecken | Dachstuhl, Sparren, Balkenköpfe |
| Bedeutung für das Tragwerk | meist örtlich begrenzt | kann den Querschnitt stark schwächen |
Ein Dachstuhl ist trocken und im Sommer warm. Genau das mag der Hausbock. Deshalb ist der große ovale Fund im Dachgeschoss der ernstere.
Was sagt das Holzmehl unter dem Balken?
Es sagt Ihnen, ob der Befall noch läuft. Löcher allein beweisen nichts, sie können Jahrzehnte alt sein. Frisches, helles Mehl unter dem Balken oder auf der Dämmung spricht dafür, dass gerade gefressen wird.
Machen Sie den einfachen Test: Kehren Sie das Mehl weg und merken Sie sich die Stelle. Liegt dort wieder frisches Mehl, ist der Befall aktiv.
Ich höre ein Knabbern im Dachstuhl — was ist das?
Ein feines Schaben oder Raspeln aus dem Holz kommt häufig von Hausbocklarven. Das Geräusch fällt an warmen Tagen und in ruhigen Stunden am ehesten auf. Es kann auch etwas anderes sein, deshalb zählt es als Indiz, nicht als Beweis.
Die Larve frisst im Inneren des Holzes. Die Oberfläche kann glatt und gesund aussehen, während darunter Gänge liegen. Erst wenn der Käfer ausfliegt, entsteht das Loch, das Sie sehen.
Wie gefährlich ist das für das Tragwerk?
Das hängt davon ab, wie viel Querschnitt noch trägt. Beim Hausbock geht es genau darum: Er arbeitet im Splintholz und höhlt Sparren, Balken und Balkenköpfe von innen aus. Ein Balken, der außen unversehrt wirkt, kann innen weitgehend leer sein.
Wir prüfen das direkt am Bauteil. Abklopfen, sondieren, Verkleidung öffnen, Auflager und Balkenköpfe freilegen. Danach lässt sich sagen, welches Holz bleibt, welches verstärkt wird und welches raus muss. Reicht das nicht aus, rechnet ein Statiker.
Was macht Wittmann — und was nicht?
Wir beurteilen die Konstruktion und tauschen befallenes Holz aus. Die Bekämpfung selbst machen wir nicht.
Das gehört zu uns:
- Befund am Tragwerk: Verkleidungen öffnen, Sparren, Pfetten, Balken und Auflager prüfen
- befallene Hölzer ausbauen und ersetzen
- Anlaschen, Verstärken, Balkenköpfe erneuern
- Gauben- und Dachgeschosskonstruktion instand setzen
- Trockenbau und Innenausbau wieder schließen
Das gehört nicht zu uns:
- Bekämpfung des Befalls, etwa Heißluftverfahren, Begasung oder chemischer Holzschutz — das ist ein eigenes Fach mit eigener Zulassung
- die statische Berechnung, die rechnet ein Statiker
- die Eindeckung, also Ziegel und Dachrinne, dafür ist der Dachdecker zuständig
Das sagen wir lieber vorher als hinterher. Holz austauschen ist Zimmerei. Käfer bekämpfen ist es nicht.
Muss ich einen Hausbockbefall melden?
In Nordrhein-Westfalen gibt es keine Meldepflicht. In Sachsen und Thüringen ist das anders geregelt, dort besteht eine Meldepflicht für Hausbockbefall. Für ein Haus in Rheinberg oder im Kreis Wesel heißt das: Sie müssen niemanden informieren, Sie sollten aber handeln, solange der Schaden klein ist.
Was kostet die Begutachtung?
Wir arbeiten nach unseren Stundensätzen: 81,00 € pro Stunde (Facharbeiter) und 40,50 € pro Stunde (Helfer). Für den Austausch der Hölzer bekommen Sie nach dem Aufmaß vor Ort ein Angebot mit Positionen. Was wir nicht gesehen haben, schätzen wir nicht ins Blaue.
Ob die Sätze netto oder brutto gelten, sagen wir Ihnen bei der Auftragsannahme.
Was können Sie vorher selbst tun?
- Loch messen und fotografieren, am besten mit Zollstock oder Lineal im Bild
- Bohrmehl nicht wegwischen, bevor Sie es fotografiert haben
- betroffene Balken nicht streichen oder lackieren, das verdeckt die Spuren
- offene Verkleidung offen lassen, bis der Befund steht
- wenn Wasser ins Holz kommt, die Ursache zuerst klären lassen
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, ob der Befall alt oder aktiv ist?
An frischem Bohrmehl. Alte Löcher ohne Mehl deuten auf einen abgeschlossenen Befall hin. Sicherheit gibt der Mehl-Test über die Zeit.
Zahlt die Versicherung den Austausch der Balken?
Was gedeckt ist, steht in Ihrem Vertrag. Das klärt Ihre Versicherung. Wir liefern Ihnen den Befund und ein Angebot mit Positionen, damit Sie etwas in der Hand haben.
Reicht ein Holzschutzmittel aus dem Baumarkt?
Gegen Larven tief im Holz wirkt ein Anstrich an der Oberfläche in aller Regel nicht. Ob und womit bekämpft wird, entscheidet ein Fachbetrieb für Holzschutz.
Muss der ganze Dachstuhl raus?
Meistens nicht. Betroffen sind oft einzelne Hölzer oder die Balkenköpfe an feuchten Auflagern. Was bleibt und was geht, entscheidet der Befund am Bauteil.
Ist der Holzwurm im Schrank dasselbe Tier wie im Dachstuhl?
Der Nagekäfer im Möbel und der Nagekäfer im Balken sind derselbe Typ Schaden, nur an anderer Stelle. Der Hausbock dagegen sitzt typischerweise im Nadelholz des Dachstuhls.
Können Sie kommen und erst einmal schauen?
Ja. Beschreiben Sie den Fund, schicken Sie die Fotos mit, dann stimmen wir einen Termin ab.
Der nächste Schritt
Messen Sie das Loch, fotografieren Sie Mehl und Balken, und schicken Sie uns beides. Nutzen Sie dafür auf /auftrag/ das Formular „Auftragserteilung / Angebot anfragen“. Wir sehen uns das Tragwerk an und sagen Ihnen, welches Holz bleiben kann. Telefonisch erreichen Sie uns unter 02843 5700, per E-Mail unter mail@wittmann-rheinberg.de.